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Zehentstadel - Planung und Bau

Planungsgeschichte

Bereits vor über 20 Jahren wurden die ersten Überlegungen zur Sanierung des Zehentstadels angestellt. Im November 1981 trafen sich Landrat Rupert Schmid, Generalkonservator Dr. Michael Petzet, Kreisbaumeister Helmut Ost und 1. Bürgermeister Hans Schuster zu einem Meinungsaustausch über eine adäquate Verwendung dieses historischen Gebäudes. Als mögliche Nutzung für den Getreidespeicher wurden schon damals neben einem Heimatmuseum die Stadtbibliothek und ein Empfangsraum genannt. Dr. Petzet sprach sich für den Erhalt des baugeschichtlich wertvollen Bauwerks aus und empfahl der Stadt, von einem fachkundigen Architekten ein Sanierungskonzept erstellen zu lassen. Die Stadt Hemau tendierte jedoch damals dazu, die Sanierung des Zehentstadels langfristig anzulegen und vorerst nur substanzerhaltende Maßnahmen am Gebäude durchzuführen.

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Zehn Jahre später stellte 1. Bürgermeister Herbert Mirbeth bei einer gemeinsamen Besichtigung des Zehentstadels mit Oberkonservator Dr. Harald Gieß an den Stadtrat die rhetorische Frage, was aus dem Zehentstadel werden solle und welcher zeitliche Rahmen für eine Sanierung abzustecken sei. Dr. Gieß schlug vor, unabhängig von der Zeitschiene, ein verformungsgerechtes Aufmaß des Gebäudes erstellen zu lassen und für das gesamte Areal Zehentstadel/Stauberstadel ein Nutzungskonzept zu erarbeiten.

1994 konnte die Stadt Hemau den baufällig gewordenen Stauberstadel erwerben und abbrechen. Die brachliegende Fläche wurde vorübergehend als Parkplatz genutzt. In den darauffolgenden Jahren hat Stadtplaner Siegi Wild für das Bauquartier am Propsteigaßl Entwicklungsstudien erstellt und dabei auch das als Diskothek genutzte Multerer-Anwesen einbezogen.

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Bei der Übergabe des vom Architekturbüro Naumann erstellten verformungsgerechten Aufmaßes des Zehentstadels im Dezember 1997 an die Stadt Hemau waren sich 1. Bürgermeister Hans Pollinger und Oberkonservator Dr. Gieß im Hinblick auf künftige Nutzungen einig, dass neben dem Zehentstadel ein Funktionsbau als Ersatz für den Stauberstadel errichtet werden muss.

„Die Bausubstanz ist ja phantastisch“, so kommentierte Generalkonservator Dr. Michael Petzet bei der Besichtigung mit Landrat Rupert Schmid, Dr. Harald Gieß, Dr. Andreas Tillmann und 1. Bürgermeister Hans Pollinger im Oktober 1998 den Zustand des Zehentstadels und sicherte der Stadt Hemau seine Unterstützung bei der Finanzierung der Instandsetzungsmaßnahme zu.

Im Juni 1999 wurde die Architektengemeinschaft Naumann-Riecke mit den Planungsleistungen für die Sanierung und Revitalisierung des Zehentstadels beauftragt.

Nach dem Ankauf des Multerer-Anwesens im September 2000 wurde in enger Zusammenarbeit mit der Architektengemeinschaft, den Stadtratsfraktionen und der Verwaltung das städtebauliche Konzept für das Areal Stadtplatz - Altes Rathaus - Zehentstadel - Neues Rathaus entwickelt und das Raumprogramm verabschiedet:

  • Als Ersatz für den Stauberstadel wird an gleicher Stelle, etwas zurückversetzt, ein giebelständiger Baukörper errichtet, der durch eine filigrane Stahl-Glas- Konstruktion mit dem Zehentstadel verbunden wird.
  • Im Keller des Funktionstrakts wird das Stadtarchiv untergebracht. Das Erdgeschoss des Zehenstadels wird als Empfangs- und Ausstellungsraum genutzt. Das Foyer und die Nebenräume werden im Neubau errichtet. Das gesamte Obergeschoss wird zur Stadtbibliothek. Das Dachgeschoss des Zehentstadels wird zum Ratssaal umgebaut.
  • Das Multerer-Anwesen wird zu einem „Haus der Musik“ umgebaut und beherbergt künftig neben der Musikschule, der Stadtkapelle und dem Fanfarenzug auch ein kleines Stehcafe.

Nachdem der Maßnahmenbeschluss gefasst war, wurden 2001 die Fachplaner beauftragt, der Bauentwurf und das Raumprogramm mit den Fachstellen abgestimmt, der Finanzierungsplan erstellt, die Genehmigungs- und Ausführungsplanung angefertigt und die Zuwendungsanträge eingereicht.

Am 12.04.2002 erteilte die Regierung der Oberpfalz den vorzeitigen Baubeginn für das Bauvorhaben und gab damit den Startschuss für die lang ersehnte Sanierung und Revitalisierung des Zehentstadels.

Bauabwicklung

Bereits zwei Wochen später erfolgte in der Stadtratssitzung die Vergabe der Rohbaugewerke, so dass Anfang Mai bereits die ersten Baumaschinen anrollten und mit der Unterfangung des Zehentstadels und des angrenzenden Jugendheims begonnen werden konnte. Parallel dazu wurde das schadhafte Bruchsteinmauerwerk des Zehentstadels mit Verpressmörtel verfestigt und der ansteigende Erdgeschossfußboden egalisiert.

Die Unterfangungsarbeiten stellten sich durch den sehr stark variierenden Felshorizont im Untergrund schwieriger dar als ursprünglich angenommen. Deshalb konnte der erste Spatenstich für den Funktionstrakt erst im August erfolgen. Zeitgleich wurde im Zehentstadel mit der Sanierung der Deckenbalken und des Dachstuhls begonnen. Im November wurde der Dachstuhl über dem Neubau errichtet und das Richtfest gefeiert.

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Durch die Bauverzögerung bei den Unterfangungsarbeiten konnte die Zinkblecheindeckung nicht mehr rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit auf den Funktionstrakt aufgebracht werden. Nachdem die vorgeschriebenen Verarbeitungstemperaturen für die Blechbahnen witterungsbedingt unterschritten wurden, entschied man sich schweren Herzens, diese Arbeiten bis zum kommenden Frühjahr einzustellen. Wegen des verbleibenden Arbeits- und Schutzgerüstes konnte auch der gläserne Zwischenbau nicht mehr realisiert werden. Weil das Bauwerk nicht geheizt werden konnte, war während der Wintermonate ein reibungsloser Ablauf des Innenausbaus nicht möglich. Deshalb wurde erst wieder im Frühjahr 2003 mit Hochdruck auf der Baustelle gearbeitet und der Innenausbau vorangetrieben. Zusätzliche Probleme bereiteten in dieser Ausbauphase Firmen, die in Zahlungsschwierigkeiten gerieten und Konkurs anmeldeten. Doch durch die gute Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten konnte auch diese Hürde gemeistert werden und die Ankündigung von Herrn 1. Bürgermeister Pollinger, dass „die Jahresabschlusssitzung des Stadtrates im Zehentstadel stattfinden solle“, in die Tat umgesetzt werden.