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Zehentstadel - Die Sanierung aus städtebaulicher Sicht

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Ehrlich, wer hätte das gedacht, als 1987 die Stadt Hemau in die Städtebauförderung eingestiegen ist, dass aus einem städtebaulichen Aschenbrödel einmal ein Vorzeigebeispiel in Sachen Stadtsanierung wird? Da war zunächst einmal das Interesse der Stadt am stattlichen und leerstehenden Propsteigebäude als Rathaus und der erste Hinweis des tadtplaners auf die Bedeutung und die Chance des Zehentstadels und auf den wichtigen, allerdings unzugänglichen grünen Altstadtrand mit dem Propstei- und Vermessungsamtsgarten.

Die konsequente Vorgehensweise der Stadt - die natürlich auch durch mehrere Glücksfälle begünstigt wurde - nötigte einem aber schon Respekt ab: Mit der Verlegung des Rathauses ist hier ein Prozess eingeleitet worden, der diese „Stadtpartie“ von Grund auf „umfunktioniert“ hat. Mit der Revitalisierung der Propstei als Stadtverwaltung ist in diesem Stadtteil plötzlich öffentliches Leben eingezogen (wobei die ursprünglichen Befürchtungen einer zu reduzierten Auffindbarkeit und städtebaulichen Spürbarkeit des Rathauses sich - Gott sei Dank - nicht bestätigt haben). Mit dem Erwerb des maroden Stauberstadels ist anschließend der Grundstein für die Sanierung und Revitalisierung des Zehentstadels gelegt worden und mit der Neugestaltung des Propsteigartens hat unser Quartier und die Stadt plötzlich einen öffentlichen grünen Naherholungsbereich erhalten, der auch diversen Freiveranstaltungen und kulturellen Zwecken dient. Spätestens nach der altstadtgerechten Neugestaltung des Propsteigaßls war deutlich, dass dieser Stadtteil eigentlich ein Filetstück ist, und die immer vorgesehene kulturelle Nutzung des Zehentstadels eine ideale Ergänzung der vorliegenden Strukturen bedeutet, die mit der Pfarrkirche (und dem benachbarten Pfarrheim) auch eine wesentliche religiös-soziale Gewichtung zeigt. Die Nutzung des jahrzehntelang vernachlässigten Speichergebäudes, das außen nur noch mit dem noblen Baukörper und einigen Details seine Denkmaleigenschaft bekundet hat, war nur über einen Ergänzungsbau lösbar, um die Vielfalt des Hemauer Kulturbedarfs unterzubringen. Nicht nur im funktionellen Wandel dieses Stadtteils zu einer in sich schlüssigen Hemauer „Kulturmeile“ liegt die Nachhaltigkeit dieser geglückten Sanierungsmaßnahme - auch formal und stadtgestalterisch zeigt sich die Aufgabenbewältigung gekonnt: Nebeneinander stehen die behutsame Würdigung der Baudenkmale und mit dem Funktionsgebäude eine zeitgemäße, aber rücksichtsvolle Architektur, die ihre Fortsetzung auch im Gebäudeinneren erfährt und Alt und Neu harmonisch aneinanderfügt.

Und als weiteres Glied einer Kette von glücklichen Umständen ist auch der Erwerb des Anwesens Riedenburger Straße 2, also des unmittelbaren Nachbarhauses zu nennen, über dessen Rückbau nun eine angemessene Vorfeldgestaltung des Kulturstadels ermöglicht wird - auch mit einer künftigen fußläufigen Anbindung des Kirchenbereichs. Mit einer öffentlichen Nutzung dieses Bürgerhauses als „Haus der Musik“ wird dieser Kulturbereich bestens ergänzt werden und über das Alte Rathaus mit seinem Museum erreicht er das Herz der Stadt, den Stadtplatz ...
Hier ist ein Musterstück der Stadtsanierung gelungen, ein nachhaltiger Beitrag auch zur Stadtkultur, von dem vor 15 Jahren - ehrlich - nicht einmal der Stadtplaner zu träumen gewagt hat ...