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Zehentstadel - Datierung des Zehentstadels

Laut der 1861 im Druck erschienenen „Chronik der Stadt Hemau“ von Johann Nepomuck Müller wurde das Gebäude in den Jahren 1624 und 1625 durch den damaligen Prüfeninger Abt Lukas Budin (1619-1631) erbaut. Diese Angaben halten jedoch einer genaueren Überprüfung nicht stand. Müller konnte als einzigen Beleg für seine These „das an dem Gebäude angebrachte Wappen des Abtes Lukas und die ober der Thorwölbung eingemeißelte Jahreszahl MDCXXV [1625]“ anführen. Offensichtlich hatte er dabei den heute im Sitzungssaal des Alten Rathauses eingelassenen Schlussstein jenes Torbogens vor Augen, der ausgehend vom Südwesteck des Zehentstadels das Propsteigaßl überspannte und im Jahre 1945 von einem amerikanischen Militärfahrzeug zum Einsturz gebracht worden war. Darauf sind zwar tatsächlich neben dem Abtei- und Konventswappen des Klosters Prüfening die Worte „LVCAS ABBAS MDCXXV“ eingeschrieben, der von Müller angenommene Bezug dieser Torbogen-Inschrift auf den Zehentstadel ist aber reine Vermutung. Der oben erwähnte Wappenstein am Eingangsportal des Getreidespeichers selbst zeigt übrigens gleichfalls das Prüfeninger Abteiwappen, allerdings ohne jeden weiteren Zusatz. Über den Bauherrn und damit über die Entstehungszeit des Zehentstadels kann folglich auch dieser Stein keine Auskunft geben.

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Schlussstein des nicht mehr erhaltenen Torbogens mit Inschrift sowie Prüfeninger Abtei- und Konventswappen (Schild mit renovierter Südfassade mit repräsentativen Zierelementen durchgehendem Tatzenkreuz und Schild mit Hl. Georg zu Pferd).

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Wappenstein über dem Eingangsportal mit Prüfeninger Abteiwappen (Schild mit durchgehendem Tatzenkreuz), darüber eine Abtsmitra mit abfliegenden Infuln, dahinter schräggekreuzt ein Krummstab.

Hingegen sprechen zwei gewichtige Befunde für eine frühere Datierung des Bauwerks. Erstens: Wie eine im Jahre 1997 durchgeführte dendrochronologische Untersuchung ergeben hat, waren die zum Bau verwendeten Baumstämme zwischen 1539 und 1614 gewachsen und spätestens 1615 gefällt worden. Dies lässt darauf schließen, dass die Errichtung des Zehentstadels im letztgenannten Jahr zumindest schon fest geplant war. Zweitens: In der im Erdgeschoß gleich gegenüber dem Eingangsportal befindlichen hölzernen Stützsäule sind auf halber Höhe der Name „Lor. Mültzer“ und die Jahreszahl „1617“ eingekerbt. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass diese Inschrift entweder anlässlich des Baubeginns oder - noch wahrscheinlicher - anlässlich des Bauendes angebracht wurde. Kaum vorstellbar jedenfalls, dass sich die Arbeiten anschließend noch bis 1624/25 hingezogen haben sollen.

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Bauinschrift auf einer der hölzernen Stützsäulen im Erdgeschoss