Urfehdebrief eines Hemauer Bürgers vom 1. August 1441

Stadtarchiv

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Das Stadtarchiv Hemau ist die städtische Fachdienststelle für sämtliche Fragen des Archivwesens und der Geschichte der Stadt Hemau.
Es hat die Aufgabe, das Archivgut aller städtischen Ämter sowie der städtischen Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften bzw. der jeweiligen Rechts- und Funktionsvorgänger zu archivieren.
Unter Archivgut versteht man dabei alle archivwürdigen Unterlagen (d. h. Akten, Amtsbücher, Urkunden und andere Einzelschriftstücke, Karten, Pläne, Bild-, Film- und Tonmaterial und sonstige Datenträger sowie Dateien), die für die wissenschaftliche Forschung, zur Sicherung berechtigter Belange Betroffener oder Dritter oder für Zwecke der Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Verwaltung von bleibendem Wert sind. Zum Archivgut gehört aber auch Dokumentationsmaterial, das vom Stadtarchiv ergänzend gesammelt wird.

Archivierung heißt, das Archivgut zu erfassen, zu übernehmen, auf Dauer zu verwahren und zu sichern, zu erhalten, zu erschließen, nutzbar zu machen und auszuwerten.
Darüber hinaus ist es noch Aufgabe des Stadtarchivs, die städtische Verwaltung bei der Verwaltung und Sicherung ihrer Unterlagen zu beraten sowie die Erforschung der Stadtgeschichte zu fördern.

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In Stichworten lässt sich das Aufgabenfeld folgendermaßen beschreiben:

Bestandsaufbau und -verwaltung

(Erfassung, Bewertung, Übernahme, Ordnung und Inventarisierung von Archivgut)

Bestandssicherung

(Maßnahmen der präventiven Bestandserhaltung und der Wiederherstellung beschädigten Archivguts)

Nutzbarmachung des Bestands

(Beratung der Benutzer, Vorlage von Archivgut und schriftliche bzw. fernmündliche Auskünfte auf Anfragen)

Bestandsauswertung

(Vorbereitung und Durchführung von Projekttagen für Schulklassen und andere Benutzergruppen, Organisation von Ausstellungen, Erstellung von Textbeiträgen für wissenschaftliche und sonstige Publikationen) 

II. Geschichte

Über die Anfänge des Hemauer Stadtarchivs liegen keinerlei Nachrichten vor. Man kann jedoch davon ausgehen, dass es spätestens seit der Erhebung des Ortes zum Markt, welche vor 1273 anzusetzen ist, ein kommunales Archiv gegeben hat. Mit dem Bestehen eines eigenen Rates ging nämlich in der Regel eine gesteigerte Verwaltungstätigkeit einher, die wiederum in Form von Urkunden, Amtsbüchern und Akten ihren schriftlichen Niederschlag fand.
Schon seit dem Bau des Alten Rathauses am Stadtplatz im Jahre 1471 wurden die als aufbewahrungswürdig erachteten städtischen Dokumente offensichtlich in einem Raum im zweiten Stock jenes Gebäudes verwahrt. Für die Betreuung dieser Registratur waren in der Regel die jeweiligen Stadtschreiber verantwortlich.
Als am 6. März 1779 das Fachwerk des Alten Rathauses in Flammen geriet, brannte das ganze Gebäude innerhalb von weniger als drei Stunden bis auf die vier Hauptmauern nieder. Damals ging auch ein sehr großer Teil der städtischen Urkunden, Amtsbücher und Akten unwiederbringlich verloren.
Wenn heute fast gar keine mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Archivalien aus Hemau mehr vorhanden sind, so muss dies allerdings noch eine andere Ursache haben. Denn als Johann Nepomuck Müller seine 1861 erschienene „Chronik der Stadt Hemau“ verfasste, konnte er nach wie vor auf eine ganze Reihe von Originaldokumenten aus der Zeit vor 1779 zurückgreifen. Deren Verlust kann also erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingetreten sein. Wie es scheint, waren die damaligen Stadtväter der Meinung, nach der gründlichen historischen Aufarbeitung durch Müller künftig auf die Originale des älteren Archivguts verzichten zu können. Eine aus heutiger Sicht fatale, wenngleich in der damaligen Zeit weit verbreitete Fehleinschätzung.


Im Oktober des Jahres 1993 verlegte die Stadtverwaltung ihren Sitz in das Neue Rathaus im Propsteigaßl 2. Das Alte Rathaus am Stadtplatz 4 wurde damals vollständig geräumt, folglich konnte auch das Archiv nicht länger an seinem jahrhundertealten Platz verbleiben. Die noch erhaltenen Bestände – im wesentlichen die archivwürdigen Unterlagen der Stadt Hemau seit dem Beginn des 19. Jahrhundert bis zur Gemeindegebietsreform sowie die übernommenen Registraturen der elf 1972 bzw. 1978 eingemeindeten umliegenden Landgemeinden – wurden allerdings aus Platzgründen nicht mit in das Neue Rathaus überführt, sondern mussten provisorisch in diverse Keller und Dachböden kommunaler Gebäude ausgelagert werden.
Erst jetzt, fast genau zehn Jahre später, ist es möglich, die verstreuten Archivalien in den neu geschaffenen Magazinräumen des sanierten und revitalisierten Zehentstadels wieder an einem Ort zusammen zu führen. Eine sachgerechte und sichere Unterbringung wird hier dauerhaft gewährleistet sein. Die EDV-gestützte Erfassung und Verzeichnung der Bestände ist im Gange und wird im Laufe der nächsten Jahre abgeschlossen werden. Dank der nunmehr vorhandenen Räumlichkeiten ist künftig auch eine geregelte öffentliche Benützung möglich.

III. Gebäude

Das Stadtarchiv Hemau ist im städtischen Kulturzentrum Zehentstadel untergebracht. Folgende Funktionsbereiche stehen hier zur Verfügung:

2. Stock: Anmeldung (Büro und Leseraum), kleiner Tagungsraum (Ratssaal), WC

Erdgeschoß: Garderobe, großer Tagungsraum (Bürgersaal), WC

Keller: Magazin (Archiv, Zwischenarchiv, Amtsbibliothek, Materiallager)

Das als Zehentstadel bezeichnete historische Gebäude wurde um das Jahr 1617 vom damaligen Abt des Benediktinerstifts Prüfening, Johannes Stadler (1606-1619), erbaut. Bis zur Säkularisation gehörte es zum Meierhof bzw. zur Propstei des Klosters und diente der Aufbewahrung von Getreide, das in Eigenwirtschaft gewonnen oder als Naturalienabgabe von zehnt-, zins- und gültpflichtigen Bauern eingenommen wurde. Im Jahre 1803 wurde der Zehentstadel vom Staat konfisziert und dem im ehemaligen Propsteigebäude (heute: Neues Rathaus) untergebrachten Land- bzw. Amtsgericht Hemau zugeschlagen. Im Jahre 1868 wurde er schließlich von der Stadt Hemau um 1200 Gulden käuflich erworben. Seitdem war er entweder an verschiedene Gewerbetreibende vermietet bzw. verpachtet oder wurde als städtische Lagerhalle genutzt. Bemühungen des TV Hemau, den früheren Getreidespeicher als Turnhalle überlassen zu bekommen, scheiterten in den Jahren 1913/14 und 1919. Seit Abschluss der Renovierungsarbeiten im Dezember 2003 fungiert der um einen modernen Anbau erweiterte Zehentstadel als Kulturzentrum, in welchem neben dem Stadtarchiv auch die Stadtbibliothek untergebracht ist. Mit dem Rats- und dem Bürgersaal stehen darin ferner zwei multifunktionale Veranstaltungsräume zur Verfügung, in denen Vorträge, Lesungen, Konzerte etc. durchgeführt werden können.

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Älteste im Stadtarchiv erhaltene Pergamenturkunde:
Urfehdebrief eines Hemauer Bürgers, 1. August
1441

IV. Bestände

A. Urkunden

I. Ältere Urkunden
II. Notariatsurkunden

B. Amtsbücher/Serielle Bestände

I. Stadt- bzw. Bürgerbuch und Briefprotokolle
II. Ratsprotokolle und Beschlußbücher
III. Stadtkammerrechnungen
IV. Almosenamtsrechnungen
V. Kirchenrechnungen
VI. Weißbräurechnungen

C. Akten

I. Akten 1808-1869
II. Akten 1869-1945
III. Akten 1945-1972
IV. Akten ab 1972

D. Bestände der 1972 bzw. 1978 eingemeindeten Gemeinden

I. Archiv der Gemeinde Aichkirchen
II. Archiv der Gemeinde Berletzhof
III. Archiv der Gemeinde Haag
IV. Archiv der Gemeinde Hohenschambach
V. Archiv der Gemeinde Klingen
VI. Archiv der Gemeinde Kollersried
VII. Archiv der Gemeinde Langenkreith
VIII. Archiv der Gemeinde Laufenthal
IX. Archiv der Gemeinde Neukirchen
X. Archiv der Gemeinde Pellndorf
XI. Archiv der Gemeinde Thonlohe

E. Bestände kommunaler Verbände und Stiftungen

F. Sammlungen

G. Amtsbibliothek

V. Benutzung

Das im Stadtarchiv Hemau vorliegende Archivgut kann grundsätzlich von allen natürlichen und juristischen Personen benutzt werden, sofern ein berechtigter Auskunftsgrund oder Forschungsgegenstand glaubhaft nachgewiesen werden kann und keine Schutzfristen entgegenstehen.
Für die Zulassung zur Archivbenutzung ist ein schriftlicher Antrag zu stellen, ein entsprechender Vordruck ist im Stadtarchiv erhältlich. Der Benutzungsantrag gilt nur für den angegebenen Auskunftsgrund oder Forschungsgegenstand und immer nur für ein laufendes Kalenderjahr. Die Archivbenutzung ist gebührenfrei. Näheres ist der „Satzung für die Aufgaben und Benützung des Stadtarchivs“ vom 26. Mai 2003 zu entnehmen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Für archivbezogene Auskünfte steht Ihnen als Ansprechpartner Herr Bauer gerne zur Verfügung, mit dem Sie zu den Öffnungszeiten des Archivs (Dienstag bis Donnerstag: 11.00 bis 16.00 Uhr) telefonisch unter der Nr. 09491/9400-51 oder per eMail stadtarchiv@hemau.de auch einen Besuchstermin vereinbaren können. Falls nicht erreichbar, wenden Sie sich bitte an die  hier unten angegebene Anschrift des Rathauses der Stadt Hemau.